Sorgerecht nach der Scheidung: Diese Rechte haben Väter


Das Sorgerecht ist wohl einer der häufigsten Streitpunkte, wenn eine Scheidung bevorsteht. Bisher wurde in Sorgerechtsfragen meist die Mutter bevorteilt, doch auch die väterlichen Rechte sind mittlerweile gestärkt worden. Lesen Sie im Folgenden mehr zum Sorgerecht nach einer Scheidung.

Allein durch die Trennung ändert sich an der bestehenden Sorgerechtsverteilung erst einmal nichts. Als verheiratetes Paar besitzen grundsätzlich beide Elternteile das Sorgerecht, welches auch nach einer Scheidung bestehen bleibt. Im bestmöglichen Fall können sich die Eltern in allen wichtigen Punkten, die das Kindeswohl betreffen, einigen. Handelt es sich jedoch um eine streitige Scheidung und ein Partner möchte das alleinige Sorgerecht beantragen, bedarf es dagegen schwerwiegender Gründe, welche den geeigneten Umgang zwischen dem Ex und dem gemeinsamen Kind infrage stellen.

Was umfasst das Sorgerecht?

Mit dem Sorgerecht gehen die folgenden Pflichten und Rechte für die Eltern einher:

  • Personensorge: Diese umfasst die alltägliche Sorge für das Kind.
  • Vermögenssorge: Hierbei muss das Vermögen des Kindes in dessen Interesse verwaltet werden.
  • Aufenthaltsbestimmungsrecht: Dieses erlaubt es den Eltern festzulegen, wo der Nachwuchs seinen Lebensmittelpunkt haben soll.

Letzteres sorgt im Falle einer Scheidung häufig für Streitigkeiten zwischen den Erziehungsberechtigten. Auch hier sieht die Gesetzgebung aber vor, dass das Kindeswohl bei der Entscheidungsfindung im Vordergrund stehen soll, weshalb in der Regel der Verbleib in der vertrauten Umgebung bevorzugt wird. Für einen Umzug ins Ausland mit dem Nachwuchs müssen triftige und plausible Gründe bestehen.

Gibt es künftig mehr Rechte für Väter?

Bei einer streitigen Scheidung haben Väter oft das Nachsehen. Auch wenn grundsätzlich beide Elternteile den Antrag auf alleiniges Sorgerecht stellen können, wird dieses in nur 6 Prozent der Fälle dem Vater zugesprochen. In Zukunft sollen Scheidungsväter jedoch mehr Rechte erhalten. So ist beispielsweise im Gespräch, das Wechselmodell statt des Residenzmodells zur Regel zu machen sowie die Steuerlast von Alleinerziehenden zu senken. Außerdem sollen zerstrittene Eltern zu einer Beratung verpflichtet werden, bevor sie einen Sorgerechtsstreit vor dem Familiengericht beginnen. In erster Linie soll mithilfe dieser Maßnahmen das Kindeswohl noch stärker in den Mittelpunkt gestellt sowie die gemeinsame Erziehung durch beide Elternteile erleichtert werden.

Können auch unverheiratete Väter das alleinige Sorgerecht beantragen?

Im Falle von unverheirateten Eltern war es bis zur Reform im Jahr 2013 nicht möglich, dass der Vater ohne die Zustimmung der Kindesmutter seinen Anspruch auf das Sorgerecht einklagen kann. Da dies vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) als Verstoß gegen die Menschenrechte betrachtet wurde, gab es hierzu eine Gesetzesänderung, die die Rechte von Vätern stärkt. Danach kann nun ein unverheirateter Mann die Mitsorge oder sogar das alleinige Sorgerecht für sein Kind erlangen, selbst wenn die Mutter dem nicht zustimmt.